DEZEMBER 2020 – FIPS-NEWS NR. 27: VORTRÄGE ZUR GESCHICHTE GRIECHENLANDS – TEIL III: 1950 – 1974

Editorial

In FIPS-News Nr. 27 werden zwei weitere Vorträge veröffentlicht, die sich mit der Zeit vor der Junta (1950 – 1967) und während der Junta (1967 – 1974) befassen. Nach den Bürgerkriegen in Griechenland bestand eine extreme Spaltung in der Gesellschaft zwischen rechten, royalistischen, militaristischen und antikommunistischen Kräften einerseits und linken, republikanischen, demokratischen und sozialistischen Kräften andererseits. Diese Gegensätze mussten ausgetragen werden. Es waren die royalistischen und militaristischen Kräfte der Rechten, die die Entscheidung mit der Gewalt des Militärs herbeiführten, während die republikanischen und demokratischen Kräfte der Linken eine Veränderung der Macht mittels Wahlen und des Parlaments herbeiführen wollten.

Vortrag 7: Krisen und Konflikte in der griechischen Gesellschaft (1950 – 1967)
  • 7.1 Zur royalistischen Restauration und dem Einfluss des rechtsgerichteten Militärs
  • 7.2 Der demokratische Aufbruch Anfang der 60er Jahren
  • 7.3 Politische Intrigen gegen die linken Kräfte
Vortrag 8: Die faschistische Diktatur der Militär-Junta in Griechenland (1967 – 1974)
  • 8.1 Die Durchführung des Putsches und ihre ersten Maßnahmen
  • 8.2 Die Repression der Junta und ihr Ende
  • 8.3 Die Unterstützung der Junta durch Regierungen der Nato

Vortrag 9: Zum Widerstand gegen die Junta und zur Solidaritätsbewegung erscheint als Teil IV dieser Reihe.

Vorträge zur Geschichte Griechenlands – Teil III: 1950 -1974

Vortrag 7: Krisen und Konflikte in der griechischen Gesellschaft 1950 – 1974

7.1 Zur royalistischen Restauration und dem Einfluss des Militärs auf die griechische Gesellschaft

Die Regierungen nach 1949 hatten keinerlei Interesse, die mit der ehemaligen deutschen Besatzungsmacht Kollaborierenden aus dem Staatsapparat und der Ökonomie zu entfernen und zu bestrafen. Insbesondere in der Armee und im Offizierkorps waren, nachdem bereits 1946 auch noch die restlichen Republikaner entfernt worden waren, die Rechtsextremisten und Royalisten unter sich. Und nach der Niederschlagung der republikanischen Meutereien in der griechischen Exil-Armee in Ägypten hatten rechte, antirepublikanische Offiziere eine paramilitärische Organisation innerhalb der Armee, die „Heilige Allianz griechischer Offiziere“ (IDEA) gegründet, die in den folgenden Jahrzehnten die Armee beherrschte.

Daran änderte sich nichts Wesentliches, als die von Alexandros Papagos (der Oberbefehlshaber der Regierungsarmee im griechischen Bürgerkrieg 1946-1949 war) gegründete „Griechische Sammlung“ die Wahlen von 1952 gewann.

In den Jahren nach 1949 bildete sich aus der Landgendarmerie, den Sicherheitsbataillonen, der Polizei und dem Militär ein Nebenstaat (Parakrátos), der sich aus den rechten, faschistischen Anhängern des ehemaligen Diktators Metaxa, den Kollaborateuren der NS-Besatzung und rechtsextremen Antikommunisten zusammen setzte. Dieser Nebenstaat, der auf vielfältige Weise mit den staatlichen Institutionen verbunden war, bekämpfte auf alle nur erdenkliche Art die linken Parteien und Kräfte, terrorisierte die Bevölkerung, manipulierte Wahlen und schreckte auch nicht vor Mord zurück.

Seit 1947 war die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) verboten. 1951 gründete sich die Vereinigung der Demokratische Linke (Eniea Dimokratiki Aristera = EDA). Die EDA war ein Zusammenschluss mehrerer linker Parteien. Sie wurden von bekannten linken Politikern, ehemaligen Mitgliedern und Unterstützern der EAM und der EDES gegründet. An der EDA beteiligten sich auch Mitglieder und Unterstützer der KKE. Bei den Parlamentswahlen 1958 erhielt die Vereinigte Demokratische Linke (EDA) 25% der Wählerstimmen.

(Logo der EDA)

Konstantinos Karamanlis, der inzwischen Chef der von ihm gegründeten Zentrumsunion (Ethniki Rizospastiki Enosis = ERE) war, wurde vom König 1955 als neuer Regierungschef eingesetzt. Auch die ERE (sowie die kleinere Fortschrittspartei = KP) vertrat die Interessen der entscheidenden Eliten im Staatsapparat, in der Bürokratie, der Polizei, der Gendarmerie und der Armee, die sich als Anhänger der Monarchie und Gegner der Linken verstanden.

1961 gründete sich die Zentrumsunion (Enosis Kendrou = EK) als liberaler Oppositionsblock unter Georgios Papandreou und erhielt im gleichen Jahr bei den Parlamentswahlen 34% der Stimmen.

Die rechten Parteien hatten sich durch Wahlmanipulationen jedoch die Mehrheit gesichert.1 Während des Wahlkampfes hatten rechte Banden die Bevölkerung eingeschüchtert und Jagd auf Kommunisten und Linke gemacht. Das Land wurde weiter von der ERE mit dem Ministerpräsident Karamanlis regiert.

7.2 Der demokratische Aufbruch Anfang der 60er Jahren

Einer der populärsten Politiker der EDA war Grigoris Lambrakis.2 Am Ende einer Friedenskundgebung am 22. Mai 1963 in Saloniki konnten trotz der Absperrung des Geländes durch die Polizei zwei Rechte mit einem Lieferwagen Lambrakis überrollen und töten. Die Ermordung von Grigoris Lambrakis in Thessaloniki zeigte, dass auch die rechten Mörderbanden von dem „Staat in Staat“ geschützt wurden. Der Untersuchungsrichter Christos Sartzetakis wies später nach, wie aus Polizei und Armee die Ermittlungen behindert und vertuscht werden sollten. Selbst der Ministerpräsident Karamanlis der rechten ERE stellte angesichts der Ermordung von Lambrakis die Frage: „Wer regiert eigentlich dieses Land?“, trat im Juni 1963 von seinem Amt zurück und ging nach Frankreich ins Exil.3

Daher setzte der König für November 1963 Parlamentswahlen an. Trotz der massiven Einschüchterung der Bevölkerung durch die rechten paramilitärischen Kräfte ging aus den Wahlen die Zentrumsunion (EK) mit 42% der Stimmen und 138 Mandaten von insgesamt 300 Parlamentssitzen als stärkste Partei hervor. Die rechte Nationalradikale Union (ERE) kam auf 132 Mandate und die Vereinigte Demokratische Linke (EDA) auf 28 Mandate. Das Angebot der Unterstützung einer Minderheitsregierung der Zentrumsunion durch die EDA lehnte der Vorsitzende der Zentrumsunion und Antikommunist Georgios Papandreou ab.

ParteiStimmanteilStimmenSitze
ERE40 %1.837.377132
EK42 %1.962.079138
EDA14 % 669.267 28
KP (Partei der Fortschrittlichen) 4 % 173.981 2
Wahlen im November 1963, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethniki_Rizospastiki_Enosis

1964 kam es daher erneut zu Neuwahlen, bei der die Zentrumsunion unter Georgios Papandreou die absolute Mehrheit mit 53% der Stimmen erlangte. Die EDA kam auf 12% und die beiden rechten Parteien ERE und KP erhielten zusammen 35% der Stimmen.

ParteiStimmanteilStimmenSitze
ERE35 %1.621.546107
EK53 %2.424.477171
EDA12 % 542.865 22
Wahlen im Februar 1964, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethniki_Rizospastiki_Enosis

Die Zentrumsunion (EK) mit Georgios Papandreou als Ministerpräsident bildete nun die Regierung. Andreas Papandreou, der der populärste Vertreter des linken Flügels der Zentrumsunion war, erhielt die Position eines Ministers beim Ministerpräsidenten, später wurde er stellvertretender Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Unter der Zentrumsregierung wurden einige soziale Reformen in der Erziehung, der Landwirtschaft und der Wirtschaftsentwicklung in Angriff genommen, die die Popularität der Zentrumsregierung weiter steigerte. Außerdem wurde 1964 eine Amnestie für politische Gefangene der ehemaligen EAM/ELAS erlassen.

Angesichts der ständigen Gefahr für die Demokratie und die Republik, die von dem „Schattenstaat“ (Parakrátos) und den rechtsgerichteten Offizieren in der Armee ausging, war es erklärte Absicht der Zentrumsregierung, die Armee unter parlamentarische Kontrolle zu bringen. In der Armee, der Polizei und im gesamten Staatsapparat sollten die rechten antidemokratischen und royalistischen Kräfte zurückgedrängt und durch Republikaner ersetzt werden. Außerdem stand die enge Verknüpfung der Monarchie und des Königs mit dem Militär und dem Parlament unter zunehmender Kritik.

Als der Konflikt mit der Türkei, die eine Teilung Zyperns nach national-ethnischen Grenzen in einen türkischen und einen griechischen Teil forderte, der sich die griechische und die zypriotische Regierung widersetzten, sich zur Zypernkrise ausweitete, nutzten die Rechten und der König die nationalistische Demagogie, um die rechtmäßig gewählte Regierung der Zentrumsunion im Juli 1965 abzusetzen und durch eine vom König eingesetzte royalistische, konservative Regierung zu ersetzen, die im Parlament über keine Mehrheit verfügte.

Bereits unter der Regierung der EK 1964 – 1965 und jetzt nach deren Sturz durch die rechten und royalistischen Eliten und die Monarchie befand sich das ganze Land in einer Stimmung des demokratischen und emanzipatorischen Aufbruchs. Ständig kam es zu republikanischen, antifaschistischen und antiroyalistischen Demonstrationen und Kundgebungen. Die linken politischen Kräfte erhielten zunehmenden Zuspruch bei der Bevölkerung.

Andreas Papandreou gewann zunehmend an Einfluss in der Zentrumsunion. Er reiste als Redner durch das Land und verschaffte sich ein eigenständiges politisches Profil als sozialer Reformer, als Anti-Monarchist und Republikaner. Bei den politischen und byzantinischen Eliten galt Andreas Papandreou daher als „Radikaler“ und „Linker“. Obgleich sein Vater, Georgios Papandreou, Vorsitzender der Zentrumsunion war, wurde Andreas Papandreou in dieser Zeit wegen seiner großen Popularität in der Bevölkerung de facto der führende Politiker der Zentrumsunion.

7.3 Politische Intrigen gegen die linken Kräfte

Die Monarchie und die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Eliten fühlten sich durch die emanzipatorische Bewegung in der Bevölkerung bedroht und waren vereint in dem Ziel, Andreas Papandreou4 von der Macht fern zu halten und einen erwarteten Stimmenzuwachs der EDA bei den nächsten Wahlen zu verhindern. Dazu bereiteten die politischen Rechten, das Militär und der König den Militärputsch vor. Es wurde eine Junta unter Beteiligung der CIA und des Königs gebildet. Der Zeitpunkt des Militärputsches dieser (in der Literatur später bezeichneten) „großen Junta“ wurde jedoch nicht festgelegt.

In dieser Zeit wurde eine Unzahl von politischen Intrigen gestartet, um den linken Flügel der Zentrumsunion zu schwächen und Andreas Papandreaou politisch auszuschalten. Eine dieser Intrigen war die angebliche Aspida-Verschwörung: General Grivas5 beschuldigte einige Politiker, Militärs und vor allem Andreas Papandreou der Verschwörung zum Sturz des Königs und der Neutralität Griechenlands.

Eine weitere Verschwörung, die die Spaltung der Zentrumsunion bezweckte, war das Angebot der rechten Eliten an Georgios Papandreou, der als ausgesprochener Antikommunist bekannt war, auch künftig das Amt des Ministerpräsidenten zu garantieren, wenn er einer Koalition mit der ERE zustimmte. Zu diesem Zweck sollte mit Hilfe des Zeitungsverlegers Lambrakis bei künftigen Wahlen eine absolute Mehrheit der Zentrumsunion verhindert werden, sodass die Zentrumsunion auf eine Koalition mit den rechten Parteien angewiesen wäre. Als erster Schritt sollte die vom König eingesetzte Übergangsregierung von der Zentrumsunion unter Georgios Papandreaou unterstützt werden.

Andreas Papandreou und 40 weitere Abgeordnete der Zentrumsunion widersetzten sich jedoch dieser Unterstützung der Übergangsregierung. Als der volle Umfang der Abmachungen zwischen Georgios Papandreou mit der ERE bekannt wurde, war faktisch Andreas Papandreou die führende Persönlichkeit der Zentrumsunion geworden.

Der Plan, Andreas Papandreou auszuschalten, war misslungen und bei den vom König auf den 28. Mai 1967 angesetzten Parlamentswahlen konnte mit einem Erdrutschsieg der Linken in der Zentrumsunion unter Andreas Papandreou und der EDA gerechnet werden.

Französisches Plakat von 1967 gegen den Putsch der Junta

Vortrag 8: Die faschistische Diktatur der Junta

8.1 Die Durchführung des Putsches und ihre ersten Maßnahmen

In der Nacht auf den 21. April 1967 putschten die Obristen Oberst Georgios Papadopoulos, Oberst Nikolaos Makarezos und der Brigardegeneral Stylianos Pattakos mit Hilfe der Armee und übernahmen die Macht im Staat.

Panzer besetzten Athen und alle großen Städte Griechenlands. Die gesamte politische Führung des Landes wurde verhaftet. Um 6:00 früh verkündete der Rundfunk, dass das Militär die Macht übernommen habe, um den Kommunisten zuvorzukommen. Der Putsch der Militärs lief nach dem NATO-Plan „Prometheus“ ab. Auch wenn die CIA und der König in den Putsch nicht direkt verwickelt waren, hatten diese im Vorfeld an den Planungen teilgenommen, wie ein Sieg der linken Parteien zu verhindern sei und einen Putsch hierbei nicht ausgeschlossen.

Obgleich die linken politischen Parteien die Gefahren eines Putsches kannten, hatten sie sich nie wirklich darauf vorbereitet. Am Morgen des 21. April 1967 waren die Zentrumspartei, die EDA und Gewerkschaften wie paralysiert. Gegen die Maßnahmen der Junta kam es zu keinem nennenswerten Widerstand.

Die ersten Maßnahmen der Junta waren noch am Morgen des 21. April, die Verhängung des Kriegsrechts, die Verhaftung von Mitgliedern und Anhängern linker und demokratischer Parteien und Organisationen, die nach „schwarzen Listen“ erfolgte. Die Verhafteten wurden in Gefängnissen eingesperrt oder auf Inseln in der Ägäis verschifft. Die Junta setzte die Verfassung des Landes außer Kraft, verhängte ein Ausgehverbot, verbot alle Wahlen, führte die Zensur ein, schaffte die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ab und die Polizei konnte Personen hinter Gitter bringen, ohne die Angehörigen zu informieren und ohne Anklage zu erheben. Örtliche politische Beamte sollten künftig von der Junta eingesetzt werden.

Innerhalb der ersten Woche nach dem Putsch wurden nach Angaben von Amnesty International mindestens 8.000 Personen eingesperrt.

Selbst dem König gingen die Maßnahmen zu weit. Sein Versuch die Obristen der Militärdiktatur abzulösen, ging schief und der König verließ im Dezember 1967 das Land.

8.2 Die Repression der Junta und ihr Ende

Bespitzelung, Entlassungen, Verhaftungen, Verbannungen, Ausbürgerungen, manipulierte Prozesse und Folter waren Maßnahmen zur Unterdrückung Andersdenkender und Gegner der Junta.

Bärte und lange Haare bei Männern und Miniröcke bei Frauen wurden verboten. Alle Studenten waren verpflichten am Sonntag am Gottesdienst teilzunehmen. Die alten Geschichtsbücher mussten gegen neue umgetauscht werden, die die Monarchie und die rechtsgerichteten Regimes verherrlichten und die Reinheit der „griechischen Rasse“ verkündeten.

Bis zum Ende der Junta 1974 wurden von der unter dem Kommando des Generals Dimitrios Ioannidis stehenden Militärpolizei (ESA) ca. 150.000 sogenannte „Ordnungsstörer“ festgenommen und verschleppt.

Allein auf die Insel Jaros wurden über 6.000 Gefangene – Männer, Frauen und Kinder – interniert.

Im Jahre 1973 setzten sich Student*innen und Arbeiter*innen vor allem in Athen mit Demonstrationen, Kundgebungen und Universitätsbesetzungen gegen die Repression unter den Forderungen „Brot – Erziehung/Bildung – Freiheit“ zur Wehr.

Im Sommer 1973 schaffte die Junta die Monarchie ab und bildete eine Scheinregierung unter Führung des Obristen Papadopoulos.

Die Proteste und die „Zugeständnisse“ gingen dem Chef der Militärpolizei, Ioannidis, zu weit. Er stürzte Ende 1973 Papadopoulos und war fortan die Nummer 1 unter den Obristen. Als Ioannidis im Juli 1974 einen Putsch auf Zypern anzettelte, um den Anschluss Zyperns an Griechenland durchzusetzen, intervenierten türkische Truppen in Zypern und es kam zur Teilung Zyperns. Dies war das Ende der Militärdiktatur. Am 23. Juli 1974 erklärte die Junta ihren Rücktritt.

Noch in der Nacht zum 24. Juli wurde der aus dem Exil zurückgekehrte Konstantinos Karamanlis zum Premierminister ernannt und eine zivile Regierung übernahm die Macht. Sie entließ sofort alle politischen Gefangenen. Die KPG wurde legalisiert. Die Monarchie wurde mit einem Referendum abgeschafft. Die Führer der Junta wurden ein Jahr später zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt.

8.3 Die Unterstützung der Junta durch Regierungen der Nato

Es war keineswegs so, dass die Diktatur der Junta in Griechenland auf einhellige Ablehnung stieß. Im Gegenteil fanden die Obristen in Deutschland6 auch viel Verständnis und Unterstützung.7

Ein Vertreter des Thyssen-Konzerns unterbreitete den Vorschlag 50 Millionen DM dem Junta-Staat für den Ausbau des Tourismus auf Rhodos zur Verfügung zu stellen.

Nach einem Besuch des CDU-Politikers Erik Blumenfeld in Athen, erklärte er in „Die Zeit“ sein Verständnis für die Obristen.

Der deutsche Botschafter in Griechenland versicherte im „Spiegel“, dass die deutsche Wirtschaft bereit sei, allen Wünschen Athens zu entsprechen.

Bundespräsident Heinrich Lübke hob beim Treffen mit dem Botschafter der Junta in Bonn die „traditionelle Freundschaft“ hervor, die sich auf „das hohe Ideal der Freiheit“ gründe.

In einer Erklärung des Auswärtigen Amtes vom Oktober 1973 heißt es, „Griechenland ist ein wichtiger Bündnispartner, mit dem uns eine Vielzahl gemeinsamer Interessen verbindet“.

In „Wehr und Wirtschaft“ 12/70 konnte man lesen, dass aus Beständen der Bundeswehr an die Junta Ersatzteile für den Panzer M-47 im Wert von 12 Mio. DM (10% des Beschaffungswerts) geliefert werden.

Im Januar 1971 wurde die Entscheidung der Bundesregierung bekannt, dass 4 U-Boote, die bei der Kieler Howaldswerft gebaut wurden, nach Griechenland ausgeliefert werden können.

Anfang 1969 empfing der neue Präsident der USA, Richard Nixon, den stellvertretenden Junta-Chef Pattakos in Washington. Im September 1970 hob die us-amerikanische Regierung das Waffenembargo gegen Griechenland auf und als Gegenleistung durfte die 6. Flotte der US-Marine die griechischen Häfen nutzen.

5. Oktober 2019 Dr. Peter Milde

Endnoten:

1 Der Verdacht der Wahlmanipulation bestätigte sich später, als die Regierung der Zentrumsunion 1964 in den Regierungsbüros den sog. „Perikles-Plan“ der ERE-Regierung unter Karamanlis fand, der die Beeinflussung der Wahlen von 1961 durch die Armee beschrieb.

2 Grigoris Lambrakis war in den 30er ein erfolgreicher junger griechischer Athlet. Unter der NS-Besatzung engagierte er sich bei Spendensammlungen für die hungernde Bevölkerung. Nach dem Krieg studierte er Medizin und unterhielt in Athen eine kleine Privatklinik, in der er die Armen unentgeltlich medizinisch versorgte. 1961 wurde Lambrakis als Abgeordneter von Piräus für die EDA in das griechische Parlament gewählt. Lambrakis war Pazifist und Friedenskämpfer und beteiligte sich am 21. April 1963 an der ersten Pazifisten-Rallye von Marathon nach Athen. Trotzdem der Demonstrationszug verboten und viele Demonstranten verhaftet wurden, marschierte Lambrakis, der durch die parlamentarische Immunität geschützt war, alleine mit der Fahne mit dem Friedenssymbol weiter. (Die Angaben zu Grigoris Lambrakis sind aus dem Artikel „Grigoris Lambrakis“ entnommen: https://wikipedia.org/wiki/Grigoris_Lambrakis)

3 In Andenken an die Ermordung Grigoris Lambrakis gründete sich im Juni 1963 die Demokratische Jugendbewegung Grigoris Lambraki, die sich 1964 mit der Jugendorganisation der EDA vereinigte, deren erster Vorsitzender Mikis Theodorakis wurde. Der Mord an Grigoris Lambrakis war Gegenstand des Romans „Z“ von Vassilis Vassilikos und der gleichnamigen Verfilmung von 1969 durch Costas-Garvras. Die Militärjunta setzte daraufhin den Buchstaben „Z“ auf ihre Verbotsliste.

4 Andreas Papandreou wurde 1919 in Griechenland geboren. Während der Metaxas-Diktatur studierte er in Athen und schloss sich einer linken Studentenorganisation an, die gegen die Diktatur Widerstand leistete. Nachdem er im Gefängnis war, ging er ins Exil in die USA und studierte dort Wirtschaftswissenschaften, promovierte und lehrte an der Harvard University. Im 2. Weltkrieg ging er als Freiwilliger in die US-Navy. Zu den Wahlen 1964 kehrte Andreas Papandreou nach Griechenland zurück und kandierte für ein Parlamentsmandat.

5 General Grivas war während der NS-Besatzung Führer der Organisation „X“ in Athen und für Morde an Linken und Widerstandskämpfern verantwortlich. Die Organisation „X“ erhielt von der NS-Wehrmacht und der italienischen Armee Waffen und rüstete damit Mörderbanden aus, die in ganz Griechenland die linken Widerstandskämpfer verfolgten. In den 60er Jahren war General Grivas Befehlshaber der Truppen der griechischen Armee und der zypriotischen Nationalgarde (die von griechischen Offizieren befehligt wurde) auf Zypern und politischer Gegenspieler von Erzbischof Makarios, der das unabhängige Zypern regierte. Im Gegensatz zu Makarios war Grivas für die sofortige Enosis, d.h. den Anschluss Zyperns an Griechenland und General Grivas wurde hierin von rechten Politikern, Militärs und dem König unterstützt, die einem Wiedererstehen des byzantinischen Reiches nacheiferten. Makarios wurde in diesem Konflikt von Andreas Papandreou unterstützt. Die USA mit ihren politischen Beratern und CIA Agenten in Griechenland wollten – wie die Türkei – eine Teilung Zyperns zwischen der Türkei und Griechenland und möglichst innerhalb der Nato Ruhe an der Heimatfront haben.

6 Die DDR nahm 1973 diplomatische Beziehungen zur griechischen Militärdiktatur auf.

7 Folgende Angaben nach: Günther Wallraff / Eckard Spoon: Unser Faschismus nebenan. Griechenland gestern – ein Lehrstück für morgen, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1975. Die griechische Opposition gegen die Junta erhielt jedoch gleichzeitig Unterstützung von den Linken in der SPD, auch von Willy Brandt, den Gewerkschaften und der außerparlamentarischen Linken. Siehe hierzu im Vortrag 9: Zum Widerstand gegen die Junta und die Solidaritätsbewegung, in dem einige Dokumentationen veröffentlicht werden.

Für die Vorträge 1 – 8 verwendete Literatur:

Götz Aly: Hitlers Volksstaat – Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, bpb, Bonn 2005.

Athènes-Presse Libre: Le Livre noir de la dictature en Grèce, Éditions du Seuil, Paris 1969, dt: Schwarzbuch der Diktatur in Griechenland, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1970.

Walter Bachsteffel/Sylvia Löser (Hrsg.): Erinnerung für eine gemeinsame Zukunft, Eigenverlag, Paramythia 2009.

Walter Fischer / Eberhard Rondholz: Revolution und Konterrevolution in Griechenland 1936 – 1970, in: Das Argument – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, Nr. 57, 12. Jahrgang, Mai 1970, Heft 2/3, Berlin 1970, S. 95 – 163.

W. H. Heurtley / H. C. Darby / W. C. Crawly / C.M. Woodhouse: A Short History of Greece, Verlag Cambridge University Press, Cambridge 1965, dt: Griechenland – Altertum, Mittelalter, Neuzeit, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1966.

Katerina Králova: Das Vermächtnis der Besatzung – Deutsch-griechische Beziehungen seit 1940, Bölau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2016.

Mark Mazower, Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016.

Marios Nikolinakos: Materialien zur kapitalistischen Entwicklung in Griechenland (1. Teil), in: Das Argument – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, Nr. 57, 12. Jahrgang, Main 1970, Heft 2/3, Berlin 1970, S. 164 – 215.

Zissis Papadimitriou / Georg Paschos: Kollaboration und Bürgerkrieg – Zur Wiederherstellung der politischen Kontinuität in Griechenland nach dem II. Weltkrieg, in: 1999 Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, Jahrgang 1991, April 1991, Heft 2, Hamburg 1991, S. 34 – 58.

Stephen Rousseas: Militärputsch in Griechenland oder im Hintergrund der CIA, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968.

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