MÄRZ 2021 – FIPS-NEWS NR. 31: 8.3.1921 – 8.3.2021: 100 JAHRE BEWEGUNGEN FÜR DIE EMANZIPATION DER FRAUEN – BETRACHTUNGEN ZU MATRIARCHAT UND PATRIARCHAT, ZU SEX UND GENDER UND ZUR FRAUENEMANZIPATION

Editorial

In FIPS-NEWS Nr. 31 stellen wir einen Text zur Diskussion, der aus Sicht des Autors einen Einblick in einige Aspekte der Frauenemanzipationsbewegungen geben soll. Dies ist bestimmt nicht erschöpfend geschehen. Wir sind daher sehr an Anregungen oder Beiträgen zur Fortführung dieses Themas interessiert.

„FEMIZID“ – eine Installation von Barbara Greul Aschanta am Klingspor Museum in Offenbach am Main anlässlich des Internationalen Frauentages 8.3.2021, Foto: © Hans Hankel

So kommt etwa die Notwendigkeit, sich gegen Angriffe von rechts zur Wehr zu setzen, zu kurz. Frauenfeinde, Rechtsextreme oder gar nazistische Gruppen bedienen nicht nur frauenfeindlicher Narrative, sondern schrecken längst nicht mehr vor Angriffen gegen die Frauenbewegung und gegen Frauen, die sich besonders in der Öffentlichkeit für Frauenrechte und die Frauenbewegung engagieren, zurück.

So wurde die obige Installation „FEMIZID“ von Barbara Greul Aschanta am Klingspor Museum in der Nacht vom 11. auf den 12. März beschädigt und der Schriftzug entfernt. Die Installation von Barbara Greul Aschanta war eine von drei Installationen, einer Fotografie und einer Performance die anlässlich des Internationalen Frauentages im Rahmen der Straßenausstellungen in Offenbach FRAUEN* KUNST RAUM ein feministischer Spaziergang 5. – 15. März 21, den das Frauenbüro der Stadt Offenbach veranstaltete, an verschiedenen Orten im Offenbacher Stadtgebiet ausgestellt waren.

In der Nacht vom 11. auf den 12. März wurde die Installation zerstört. Foto: © Klingspor Museum

Dem Autor ist sehr wohl bewusst, dass die gesellschaftliche und ideologische Differenzierung in Frau und Mann auch in diesem Text ein Problem ist, da die Geschlechteridentitäten sehr viel zahlreicher und vielfältiger sind. Es sind nicht nur cis-Frauen, sondern FLINTA*-Frauen, die das Patriarchat diffamiert, diskriminiert und mit Gewalt angreift. Auch dieses Thema wird im Text nur am Rande angesprochen.

16.3.2021 Dr. Peter Milde

Betrachtungen zu Matriarchat und Patriarchat, zu Sex und Gender und zur Frauenemanzipationsbewegung

Einleitung

Auch unsere heutige Gesellschaft ist noch immer eine patriarchalische. Was beinhaltet „patriarchalische Gesellschaft“ und „Patriarchat“? Wie entstand es? Warum ist es so langlebig? Auf diese und andere Fragen, versucht dieses Essay Antworten zu geben und zur Diskussion zu stellen.

Das Patriarchat ist die ökonomische, soziale, politische und ideologische Vorherrschaft der Männer über die Frauen. Es entstand in einem sich über Jahrhunderte hinziehenden Prozess, in dem die matriarchalen Gesellschaften auch durch gewaltsame Mittel zerstört wurden. Das Patriarchat überdauerte seitdem alle Umgestaltungen der Produktions- und Lebensweise der Menschen. Im Altertum waren Frauen kaum mehr wert als Sklaven und im Mittelalter waren sie jede Menge feudaler Diskriminierungen ausgesetzt. Sexismus und Elendsprostitution waren weit verbreitet. Jedoch haben sich die Formen der Herrschaft der Männer über die Frauen – wie sich auch alle anderen Bereiche der Gesellschaft – über die Jahrtausende hin weiterentwickelt.

Das Patriarchat findet seinen Ausdruck in einer ökonomischen und sozialen Besserstellung der Männer gegenüber den Frauen, die auch im bürgerlichen Recht ihren Niederschlag findet. Das Patriarchat hat über die Jahrhunderte hin mittels der herrschenden Kultur, Religion und Ideologie die Unterordnung und die Schlechterstellung der Frauen gegenüber den Männern gerechtfertigt und begründet. Jahrhunderte alte Vorurteile, die durch Erziehung und gesellschaftlich akzeptierte Ideologien an die neuen Generationen weitergegeben werden, erscheinen den Geschlechtern so als quasi „natürliche“, unverrückbare Tatsachen. Mit der bürgerlichen Emanzipation und dem Schwinden des Einflusses von Kirche und Religion in der Gesellschaft hat die Idee der Gleichheit auch die Frauen erfasst und die Forderung nach Gleichheit und Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft stand einer alle Klassen und Schichten der Gesellschaft umfassenden Emanzipationsbewegung der Frauen Pate.

Doch bereits lange zuvor weigerten sich Frauen bereits im Altertum und im Mittelalter die ihnen zugedachte Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Gesellschaftliche Strömungen – meist religiöser Art – durchbrachen das enge soziale und sexuelle Korsett, in das die Frauen gezwängt wurden.

Frauen gingen häufig einer vom Mann unabhängigen produktiven Tätigkeit nach. Als Heilerinnen erfuhren viele Frauen breite gesellschaftliche Anerkennung, bis die Inquisition sie im Auftrag und Namen der christlichen Kirche und der christlichen Aristokratie als Hexen verfolgte und ermordete. In diesem Kontext entstand auch die professionalisierte Tätigkeit des Arztes, welche nunmehr von Männern ausgeübt wurde.

Auch in Kämpfen gegen die feudale und aristokratische Ordnung nahmen die Frauen häufig eine weitgehend mit den Männern gleichberechtigte Stellung ein, wie etwa in vielen sozialen Bewegungen, die von den herrschenden Klassen des Adels und der christlichen Kirche als Häresien bekämpft wurden.

Doch erst mit dem Bestehen der bürgerlichen Ordnung haben die Kämpfe der Frauen eine ganze Reihe von Bastionen des Patriarchats im Recht und im sozialen Leben und in den Beziehungen der Geschlechter zueinander zu Fall gebracht.

Doch neben weiterhin existierenden realen ökonomischen, sozialen und rechtlichen Ungleichheiten, sind es des Weiteren die patriarchalischen Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Denkmuster, Einstellungen, moralische und sittliche Normen und Affekte der Männer, die sich zwar den jeweiligen Umständen und dem Zeitgeist mehr oder weniger angepasst haben, die für das Fortexistieren der patriarchalen Unterdrückung in Ökonomie, Staat, Recht, Kultur und im privaten und gesellschaftlichen Alltag sorgen. Die patriarchale Konditionierung der Geschlechter über die Jahrtausende hin bis heute – wenn auch jeweils mit den der Zeitepoche angepassten Formen und Inhalten – ist ein sicherer Garant der Fortexistenz des Patriarchats.

Konditionierung der Geschlechter

Ein Aspekt, der das Fortleben des Patriarchats ermöglicht ist die soziale und pädagogische Konditionierung der Geschlechter. Elena Gianini Bilotti (Montessori-Pädagogin und Schriftstellerin) analysierte die frauenspezifische Konditionierung des Weiblichen in der italienischen Gesellschaft in den 60er und 70er Jahren des 20. Jh. Sie hat in einer sehr einfühlenden und zugleich anklagenden Art analysiert,

  • wie das Kleinkind in der jeweiligen sozialen Geschlechterrolle erzogen und sozialisiert wird,
  • wie kulturelle Vorurteile über die Geschlechter in einer vielfältigen Art und Weise sowohl in der privaten als auch in der öffentlichen Erziehung der Kinder und Kleinkinder von einer Generation zur nächsten übertragen werden,
  • wie die soziale Benachteiligung und die ideologische und kulturelle Herabsetzung der Frauen und die soziale und kulturelle Dominanz der Männer in der jeweiligen individuellen psychischen Entwicklung verinnerlicht werden.

Im Ergebnis werden dann von den Mädchen und Frauen Diskriminierungen und Demütigungen kaum mehr als störend, hemmend, begrenzend und unterdrückend erlebt und die Jungen und Männer empfinden ihre Dominanz als natürliches Vorrecht.

„In der patriarchalischen Kultur, die als Grundwerte einerseits die Überlegenheit des männlichen Individuums, andererseits die Unterlegenheit des weiblichen Individuums sieht, ist es klar, dass man das Prestige des Mannes keinesfalls in Frage stellen darf, da dies unweigerlich zur Zersplitterung seiner Macht führen würde.“

Elena Gianini Belotti: Was geschieht mit kleinen Mädchen?, 1973

Spezifische, angeblich weibliche Rollen, Verhaltensweisen, Vorlieben, Denkmuster und Gefühle (genauso wie spezifische angeblich männliche Rollen, Verhaltensweisen, Vorlieben, Denkmuster und Gefühle) bis hin zu einer angeblich weiblichen und einer angeblich männlichen Intelligenz werden als spezifische natürliche und absolute Wahrheiten und Ideale beschrieben und weitergegeben, obwohl sie in Wahrheit in der Gesellschaft, wie in der Psyche tief verwurzelte und über Generationen weitergegebene Vorurteile und Mystifikationen darstellen.1

Doch wie konnte es dazu kommen? War das Verhältnis der Geschlechter schon immer durch die Dominanz und Vorherrschaft der Männer über die Frauen geprägt? Ist dies quasi eine „natürliche Ordnung“ der Geschlechter? Oder sind hierfür ökonomische und soziale Ursachen verantwortlich, die sich politisch und ideologisch manifestiert haben?

Die Herausbildung des Patriarchats als ein systemisches und privates Gewaltverhältnisses der Männer gegenüber den Frauen

Wie in fast allen gesellschaftlich-hierarchischen Verhältnissen ist die Gewalt ein zentrales Mittel zu deren Manifestation und Erhalt. So ist auch die Gewalt im Verhältnis der Männer zu den Frauen ein Garant für die Vorherrschaft der Männer. Dieses Gewaltverhältnis findet sich im privaten Bereich, etwa der diskriminierenden Arbeitsteilung in der Familie, der vielfältigen sexuellen Ausbeutung der Frauen durch die Männer (der Vergewaltigung, der obszönen Anmache usw.), dem Verlassen der Frau, wenn sie Kinder bekommt, der Misshandlung in der Ehe und Partnerschaft bis hin zum Femizid, das heißt der Ermordung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts.

Diese patriarchale Gewalt hat jedoch auch eine gesellschaftliche, eine systemische Dimension, die diese Gewalt so zählebig und resistent gegen Veränderungen macht. Selbst die bürgerliche Strafjustiz erkennt den Femizid in seiner spezifisch geschlechtlichen Natur nicht als eigenständige Straftat an. Die patriarchale Gewalt ist nicht allein ein individuelles Problem einzelner Männer, sondern ihre Wurzel liegt in der Gesellschaft, in der gesellschaftlichen Vorherrschaft der Männer über die Frauen.

Die Quelle dieser Vorherrschaft liegt lange zurück. Sie entstand mit der gewaltsamen Zerstörung der matriarchalen Gesellschaften. Und diese Vernichtung des Matriarchats war nicht einfach eine Idee der Männer, sondern hatte tieferliegende, in der ökonomischen und sozialen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft begründete Ursachen.

In den matriarchalen Sippen und Stämmen genossen die Frauen und Mütter als Garanten des Überlebens der Gruppe, als Sammlerin von Früchten, Kräutern, Wurzeln usw. und später als die wichtigsten Produzentinnen der Lebensmittel im Ackerbau und als „Produzentin“ der Kinder ein hohes Ansehen.2 Das Matriarchat basierte auf dem gemeinschaftlichen Eigentum, Privateigentum existierte nicht. Die Produktion, die Familienstrukturen, die Geschlechterbeziehungen und die gesellschaftliche Organisation orientierten sich zwar an den Frauen und Müttern, doch beherrschten die Frauen und Mütter nicht die Männer.

Matriarchale Gesellschaften kannten die Einzelehe im heutigen Sinne nicht. Im Zusammenleben und in der geschlechtlichen Beziehung waren weder Frauen an einzelne Männer noch Männer an einzelne Frauen dauerhaft gebunden. Die Möglichkeiten der geschlechtlichen Beziehungen entwickelten sich zwar im Verlaufe der Zeit, waren jedoch in ihren verschiedenen Formen sehr viel umfangreicher als dies heute die Einzelehe formal vorsieht.3

„Der Umsturz des Mutterrechts war die weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts. Der Mann ergriff das Steuer im Hause, die Frau wurde entwürdigt, geknechtet, Sklavin seiner Lust und bloßes Werkzeug der Kindererzeugung.“

Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 1884

Die Frauen verloren ihre angesehene Stellung zuerst in den Stämmen, in denen die Viehzucht die wichtigste Produktionsform der Lebensmittel wurde, d.h. in nomadischen Stämmen. In den Stämmen, die vornehmlich vom Ackerbau lebten, konnte sich das Matriarchat länger behaupten und wurde nicht nur durch die gesellschaftliche Veränderung innerhalb der Sippen und Stämme, sondern auch durch aggressive Eroberung durch nomadische, patriarchale Stämme zerstört.

Dieser Umbruch vom Matriarchat zum Patriarchat4 brachte den ersten Klassengegensatz in der Geschichte der Menschheit, den sozialen Gegensatz zwischen Frauen und Männern hervor. Er vollzog sich auf der Basis der Herausbildung des Privateigentums in Folge der Entwicklung der Produktivkräfte und der Arbeitsteilung (etwa durch die Viehzucht der Nomadenstämme, durch die Entwicklung des Handwerks, des Bergbaus und des Handels), die die alten matriarchalen Familien- und Sippenstrukturen sprengten, welche ausschließlich gemeinschaftlichen Besitz gekannt hatten.

Diese Veränderungen in der Produktionsweise, der privaten Aneignung der Produkte, der Produktion für den Markt, wodurch die Produkte nunmehr Waren mit einen Tauschwert wurden, war die Quelle dafür, dass zudem die Ursache dafür, dass die Produktion von der Reproduktion in der Gesellschaft getrennt wurde.

Die neuen Sektoren, die durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung entstanden waren, ermöglichte es vor allem den Männern, die Produkte ihrer Arbeit als „wertvoller“ und damit sich selbst als „höherwertige“ Produzenten als die Frauen zu betrachten. Im Gegensatz zur häuslichen handwerklichen Tätigkeit und der landwirtschaftlichen Produktion der Frauen und ihrer Reproduktionstätigkeit waren die neuen Produktivkräfte und Produktionsweisen (wie Viehzucht, Bergwerk und fabrikmäßiges Handwerk) von den Männern dominiert, da sie im Unterschied zu den Tätigkeiten der Frauen/Müttern nicht örtlich gebunden waren.

Die Produkte männlicher Arbeit waren zunehmend Waren mit einem Tauschwert, da sie für den (Tausch-)Markt produziert wurden. Damit wurden erstmals Tauschmittel (frühe Formen des Geldes) erforderlich und entstanden. Die damit verbundene private Aneignung von Reichtum durch die Männer musste die matriarchalen Sippen mit ihrem gemeinschaftlichen Besitz sprengen, die bis dahin kein Privateigentum kannten. Mit der sozialen Auflösung der Sippen schmolz auch das hohe moralische und soziale Ansehen der Frauen und Mütter.

Ein immer größerer Anteil des der Sippe zur Verfügung stehenden Reichtums war nunmehr privates Eigentum der Männer, das sie im privaten Interesse durch „bürgerliches Recht“ schützen mussten (Eigentumsrecht, Erbrecht, Ehe- und Familienrecht, Handelsrecht usw.- das bis heute als Zivilrecht und Bürgerliches Gesetzbuch fortbesteht).

Da die Entwicklung der Arbeitsteilung und die damit einhergehende Entwicklung der Produktivkräfte in bisher unbekanntem Maße Produkte, Privateigentum und Reichtum hervorbrachte, entwickelte sich neben dem gesellschaftlichen Gegensatz der Männer zu den Frauen auch der Gegensatz reich zu arm und der Gegensatz zwischen Privatbesitzern zu Produzenten, die kein Recht auf Aneignung der Produkte ihrer Arbeit hatten. Diese Klassen, die für die besitzenden Patriarchen produzierten, waren Sklaven und Tagelöhner. Kinder und Frauen waren gegenüber dem „Hausvater“ rechtlos.

Dies führte zu Reichtum und Privilegierung ganzer einzelner gens (Sippen) innerhalb eines Stamms und einzelner Familien innerhalb einer gens. In diesem historischen Prozess wandelte sich die auf Gemeinbesitz basierende urkommunistische Gemeinschaft um in eine Gesellschaft, die auf einer privaten Aneignung von Besitz aus der Produktion und der privaten Anhäufung von privatem Eigentum und Kapital aus Eroberungen, Handwerk, Bergwerk und Handel bestand und die so zu einer Spaltung der ursprünglich sozial gleichen Produzent*innen in Klassen und Schichten führte (Patriarchen, Aristokraten, freien Bürgern, Proletariern und Sklaven).

Dieser Prozess war zugleich auch eine Herausbildung von politischen, aristokratischen Eliten und Herrschaftsverhältnissen. Eine ursprünglich von den Mitgliedern eines Stammes an einzelne Familien oder einzelne Personen auf Zeit übertragene militärische und politische Macht wurde mit weiterer ökonomischer Entwicklung und Anhäufung von Reichtum zunehmend nun ein an ökonomisch privilegierte Familien auf Dauer übertragenes militärisches und politisches Amt, das zunehmend auch zu einem erblichen Amt wurde und damit einzelnen privilegierten Familien ermöglichte, sich als mit politischer und ökonomischer Macht ausgestatteten Adel, Aristokratie oder Priesterschaft zu konstituieren.

Diese Praxis führte mit der Zeit dazu, dass sich die vorübergehenden militärischen und politischen Strukturen zu ständigen staatlichen politischen Institutionen und militärischen Formationen unter der Kontrolle der adligen und aristokratischen Familien entwickelten.

So entstanden etwa die Stadtstaaten in Mesopotamien (z.B. Ur) an deren Spitze in der Regel der Patriarch einer aristokratischen Familie stand. Diese aristokratischen Familien häuften mittels ihrer ökonomischen, politischen und religiösen Privilegien vermehrt Sklaven, Besitz und Reichtum an, womit sie in der Lage waren, militärische Formationen zu schaffen, mittels denen sie durch Raub und Eroberung andere Stämme unterwarfen und versklavten und so ihren Reichtum und ihr Territorium ausdehnten. So entwickelten sich von aristokratischen Patriarchen geführte (Stadt)-Staaten, die im Wesentlichen auf einer Ökonomie der Sklaverei, des Handels, des Handwerks und der Landwirtschaft beruhten.5

Wenn wir also heute von patriarchaler Gewalt gegenüber Frauen in der Gesellschaft, der Ökonomie, des Staates, des Rechts, der Kultur und im Geschlechterverhältnis reden, so hat diese ihren Ursprung in dem oben knapp skizzierten Umbruch, der zum Ende der Jungsteinzeit stattfand.

Dieses damals entstandene Macht- und Gewaltverhältnis der Männer über die Frauen, das eng mit dem Entstehen und der Existenz des Privateigentums und des Staates verwoben ist, sichert bis heute den Fortbestand des Patriarchats trotz aller inzwischen stattgefundenen ökonomischen, sozialen und politischen Umwälzungen. Die gesellschaftlichen Traditionen und Gewohnheiten, die Kulturen und Religionen beinhalten seither auf die eine oder andere Art und Weise und Ausprägung auch die private und strukturelle Vorherrschaft und das Gewaltverhältnis der Männer gegenüber den Frauen.

Die Entstehung der patriarchalen Familie und der Einzelehe

Gemeinsam mit der Herausbildung des Patriarchats in der Gesellschaft verwandelten sich auch die Geschlechter- und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Frau und Mann. Dies hing eng mit der bereits skizzierten revolutionären Umwälzung in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zusammen.6

In den matriarchalen Sippen und Stämmen waren die Frauen auf Grund ihrer Produktionsleistung für die Gemeinschaft und ihrer Fähigkeit Nachkommen auf die Welt zu bringen, hoch angesehen. Ihr Ansehen beruhte also nicht, wie im Patriarchat auf Reichtum, Privateigentum und Macht.

Wie skizziert, waren es die Männer als Kollektiv und als Einzelne, die das gemeinschaftliche Eigentum mehr und mehr durch das Privateigentum verdrängten und sich den Reichtum privat aneigneten. Ebenfalls schufen und besetzten sie diejenigen staatlichen Formationen und Ämter (wie Soldaten, Verwalter, Richter), die das private Eigentum vor anderen Mitgliedern der eigenen Gesellschaft und vor anderen Stämmen schützten.

Was gemeinhin als Matriarchat in der Frühzeit der menschlichen Gesellschaft bezeichnet wird, basierte auf dem gemeinschaftlichen Besitz der Sippe.7 Was gemeinhin als „Mutterrecht“ bezeichnet wird, war kein vom Eigentum abgeleitetes Recht, sondern basierte auf der Gewissheit der Abstammung der Kinder von der Mutter, nach der die Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen und die gesellschaftlichen Gliederungen (Sippen, gens) gestaltet und benannt wurden.

„Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe, und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche. (…) jene bis heute dauernde Epoche, in der jeder Fortschritt zugleich ein relativer Rückschritt, in dem das Wohl und die Entwicklung der Einen sich durchsetzt durch das Wehe und die Zurückdrängung der Andren.“

Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 1884

Mit der Entwicklung und der Vorherrschaft der auf Privateigentum basierenden Produktionsweise setzte der Mann sich als Eigentümer des Familienbesitzes an die Spitze der Familie und der Sippe. Dieser Wandel vollzog sich allmählich, war vermutlich jedoch nicht überall gewaltfrei. Im Verlaufe der patriarchalen Revolution wurden die Geschlechterbeziehung und die Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen vom patriarchalen Recht, von der Abstammung der Kinder vom Vater definiert. Die Einzelehe wurde zum Zwang für die Frau, da der Mann nur so sicher sein konnte, auch der Vater der Kinder zu sein. Damit war die patriarchale Familie entstanden, in der der Mann Eigentümer des Familienbesitzes ist und die Frau und die Kinder quasi sein „Privateigentum“ sind.

Die Religion als Ideologie des Patriarchats

Die religiösen Vorstellungen der Menschen entwickelten sich schon früh, um die natürlichen sowie die sich naturwüchsig entwickelnden gesellschaftlichen Vorgänge zu deuten, für die die damaligen Menschen noch keine wissenschaftlichen Erklärungen finden konnten. Es handelte sich dabei um mystische Religiosität, die menschliche Verhaltensweisen auf die natürliche Umwelt projizierte und in der eine strikte qualitative Unterscheidung von Mensch und Natur nicht existierte. Die mystischen Vorstellungen schöpften dabei vor allem aus den Erfahrungen der Menschen im Kampf gegen die äußere Natur und aus den sozialen und sexuellen Beziehungen und Erfahrungen innerhalb der Gruppe. 8

Die religiös-mystischen Riten und Gebräuche der frühen Menschen waren der Versuch einer ganzheitlichen Erklärung der Naturerscheinungen, von denen der Mensch und die menschliche Gesellschaft sich als ein Teil verstanden.

Die gesellschaftliche Absonderung von Priestern, die für die Einhaltung von Riten, Gebräuchen und Feste verantwortlich waren, war auch die erste gesellschaftliche Arbeitsteilung, die eine Gruppe von Menschen von der Teilnahme an der gemeinschaftlichen Produktion ausschloss und mit einer besonderen gesellschaftlichen Aufgabe zum Wohle der menschlichen Gemeinschaft betraute.

Mit der sich herausbildenden patriarchalischen Gesellschaft erhielten die religiösen Vorstellungen ein neues Gepräge in Form von Religionen, die die neuen patriarchalen und auf dem Privateigentum basierenden Gesellschaften moralisch, sozial und rechtlich sichern sollten. Die religiösen Vorstellungen und Handlungen wurden zu Instrumenten und Mitteln die patriarchalische Herrschaft der Männer, die Herrschaft des Adels und das Privateigentum und die Ungleichheit der Menschen zu legitimieren und zu sichern. Die Priester entwickelten sich zu einer erblichen Kaste, die eng mit den herrschenden Patriarchen verbunden oder gar identisch war.

Diese neuen patriarchalen Religionen und Ideologien wurden gewaltsam durchgesetzt, indem die überlieferten mystisch-religiösen Vorstellungen und sinnlich-religiösen Praktiken der Menschen verfolgt und gewaltsam unterdrückt wurden.

Von nun an hatte Religion vor allem den gesellschaftlichen Zweck, die Masse der nun unterdrückten und ausgebeuteten Menschen durch Ideologie, Manipulation, Gewohnheit und religiösen Kultus an soziale, gesellschaftliche, ökonomische, politische und rechtliche Ungleichheit anzupassen und in ein System einzubinden, das den Menschen von sich und seines Gleichen und von der Natur entfremdete. Die neuen patriarchalen Religionen integrierten dabei durchaus auch alte traditionelle Riten und Gebräuche, um Zustimmung bei den Menschen zu erlangen.

Die monotheistischen Religionen haben ihren Ursprung in den Religionen der ersten patriarchalen Stadtstaaten, in denen der herrschende Aristokrat zugleich der höchste Priester war und sich als Gott verstand. Die Macht des Herrschers verkörperte sich in der Macht des Geldes, bzw. des Goldes, das zum Äquivalent von Macht und Reichtum wurde. Zugleich entzog es sich einem rationalen Verständnis und die Menschen sahen in der Macht des Geldes (Goldes) gleichsam eine übersinnliche Macht gleichsam der Macht Gottes.9

Das Patriarchat in der bürgerlichen Gesellschaft

Die italienische Renaissance und die französische Aufklärung mit ihren, die überkommenen christlichen Dogmen in Frage stellenden wissenschaftlich-technischen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Ideen ebnete der neuen Ideologie des Bürgertums von der Allmacht der technischen Rationalität wie auch der sozialen Vorstellung von Gleichheit und Gleichberechtigung der Menschen, egal von welchem Stande sie seien, zum Durchbruch.

Die damit ausgelöste technische und ökonomische Entwicklung bedingte wiederum die Anhäufung des Kapitals erstens durch Ausplünderung der Kolonien und zweitens durch Ausbeutung der pauperisierten Landbevölkerung. In den Kolonien wurden die indigenen Gesellschaften zerstört, die Ethnien millionenfach massakriert und Gold, Silber und einheimische Nahrungsmittel in unvorstellbarem Umfang geraubt. In den europäischen Ländern unterhöhlte die bürgerliche Produktionsweise und die Geldwirtschaft die überkommene festgefügte feudale und ständische Produktionsweise der Bauern und Handwerker, führte zur millionenfachen Verarmung und lieferte besitzlose Lohnarbeiter*innen für die Manufakturen und Betriebe.

Dieser von Marx auch als „ursprüngliche Akkumulation“ bezeichnete Vorgang schuf die Voraussetzungen für die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise, die sich durch eine doppelte Rationalität auszeichnet: die Anwendung und Entwicklung von Wissenschaft und Technik und die ständige Orientierung an dem marktwirtschaftlichen Erfolg und Profit.10

Mit der bürgerlichen Gleichheit und Gleichberechtigung in der kapitalistischen Produktion und in der bürgerlichen Gesellschaft erfüllte sich nun jedoch keinesfalls die Gleichheit und Gleichberechtigung der Arbeitenden in der Ökonomie und erst Recht nicht die der Frauen in der Gesellschaft.

Die aus 1000 Jahren feudal-christlicher patriarchalischer Knechtschaft der Frauen stammenden Ideen waren noch allerorten präsent und wie die Repräsentanten der alten Gesellschaft hatten auch die Repräsentanten der neuen mächtigen ökonomischen und politischen Klassen und Eliten ein Interesse daran, ihre Privilegien nicht mit den Frauen zu teilen und die Gedanken der Aufklärung auf das Geschlechterverhältnis anzuwenden.

„Herr de Keratry folgte mir in das Vorzimmer, um mir noch in längerer Rede seine Theorie über die geistige Minderwertigkeit der Frau auseinander zu setzen. Selbst der Intelligentesten wäre es unmöglich ein gutes Werk zu schreiben. Und da ich nun fortgehen wollte, beendigte er seine Rede mit einem Napoleonischen Streiche, der mich niederschmettern sollte. ‚Glauben Sie mir‘, sagte er in gewichtigem Tone, als ich die letzte Tür seines Heiligtums öffnen wollte, ’setzen Sie keine Bücher, sondern Kinder in die Welt‘. ‚Meiner Treu‘, antwortete ich ihm, indem ich vor Lachen zu ersticken glaubte und ihm die Tür vor der Nase zuwarf, ‚beherzigen Sie selbst Ihre Lehre so gut sie können!'“

George Sand: Geschichte meines Lebens, 1855

Die proklamierte Gleichheit und Gleichberechtigung war letztlich an Besitz, Eigentum und damit an Stand und Klasse gekoppelt und war – allerdings nicht einmal in allen gesellschaftlichen Bereichen – rein formal juristisch umgesetzt. Sozial, kulturell, gesellschaftlich, politisch und ökonomisch war weder zwischen den Geschlechtern und unter den Arbeitenden im Allgemeinen eine völlige Gleichheit und Gleichberechtigung erreicht.

Ein besonderes Kapitel ist die kapitalistische Vermarktung der „Ware Frau“, die in der bürgerlichen Gesellschaft einen zuvor noch nie so erreichten großen Umfang angenommen hat und sich immer noch weiter ausdehnt.

Hierbei geht es nicht um eine moralisch-ethische Kritik an der Kommodifizierung des Körpers oder etwa an den Frauen, die Sex als Ware anbieten. Es ist die kapitalistische und patriarchale Struktur und die patriarchale Ideologie, in dem diese Kommodifizierung eingebettet ist und die Sex zum Gegenstand von Ausbeutung macht. Es ist das bürgerliche Paradigma vom Privateigentum, das bestehende Ideologien ebenfalls der Verwertungslogik unterordnet und die Affekte, die diese Ideologien – wie in diesem Fall die patriarchalen Besitzansprüche auf den Körper der Frau sowie auf ihre Arbeit – produzieren, nutzt und zugleich zementiert und reproduziert.

Werbung, Filme, Zeitschriften, Musik, Musikvideos, Prostitution und Pornographie vermarkten die „Ware Frau“ nach kapitalistischen Methoden der Profitmaximierung und schaffen sich zugleich mit einer bereits im Kindesalter angelegten geschlechtlichen Sozialisation einen Markt hierfür. So wird das soziale Geschlecht und ein ihm zugeordnetes Vorurteil bereits bei Kindern etwa durch entsprechende im großen Stil vermarktete Spiele, Mode, Schönheitsideale fest verankert.11

Frauenemanzipationsbewegungen in der patriarchalen bürgerlichen Gesellschaft

Die Benachteiligung und Unterdrückung der Frauen durch die Männer finden wir auch heute in vielfältiger Weise innerhalb der bürgerlichen Familie, im Berufsleben, im bürgerlichen Recht (wie etwa bei der Illegalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen), in der ökonomischen und sozialen Benachteiligung, in der geringeren Bezahlung, in der Benachteiligung durch Mutterschaft und Erziehung der Kinder in Form von unbezahlter Sorgearbeit, in geringeren Renten, im geringen Anteil der Frauen an besser bezahlten Berufen oder an politischen Ämtern, usw.

Nicht zuletzt lebt das Patriarchat von der direkten persönlichen Gewalt gegenüber Frauen in Femiziden, Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Zwangsprostitution, Demütigungen und Missachtungen. All diese Formen und Ausprägungen persönlicher und struktureller Gewalt schlagen Narben um Narben in die Psyche der Frauen, und erschweren ihren Kampf um Emanzipation. Hürden für diesen Kampf stellen auch die Isolation in der Kleinfamilie, das Eingespanntsein in Lohnarbeit und Hausarbeit dar, sowie der internalisierte Sexismus, welcher dazu führt, dass Frauen Fehler bei sich selbst suchen oder sich selbst weniger zutrauen.

„Ich bin so einzig als die größte Erscheinung dieser Erde. Der größte Künstler, Philosoph oder Dichter ist nicht über mir.

Rahel Varnhagen: Brief an David Veit, 16.2.1805

Seitdem es Frauenunterdrückung gibt, haben die Frauen jedoch auch um ihre Befreiung vom Patriarchat gekämpft. Frauen kämpften gegen die Vernichtung des Matriarchats. Frauen kämpften in den Sklavenhaltergesellschaften und in den christlich-patriarchalen Feudalgesellschaften gegen ihre Unterdrückung durch die Männer.

Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft und der Industrialisierung in Europa und Nordamerika spaltete sich die Frauenemanzipationsbewegung in eine bürgerliche Frauenbewegung und in eine proletarische Frauenbewegung. Erstere kämpfte insbesondere für das Frauenwahlrecht und die Zulassung der Frauen zu intellektuellen Berufen. Letztere kämpfte darüber hinaus und teils vor allem für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und arbeitenden Mütter und verfolgte – wie die Arbeiter – seit der frühen Sozialdemokratie im 19. Jh. weitergehende politische und soziale Ziele, die sie im Sozialismus verwirklichen wollte.

Nach dem Sieg über NS-Deutschland erlebte nicht nur eine allgemein-gesellschaftliche Emanzipationsbewegung ihren Aufschwung. Auch die Frauenemanzipationsbewegung in Deutschland – wie in vielen Ländern der Welt – verstand sich in den 60er, 70er und 80er Jahren des 20. Jh. weitgehend als Teil eines sich links verstehenden Kampfes der Frauen gegen das Patriarchat in der bürgerlichen – und in manchen Ländern auch noch feudal geprägten – Gesellschaft.

§ 218 Demonstration im Februar 1975 in Frankfurt am Main

Einige Frauenemanzipationsbewegungen verstanden sich mehr oder weniger auch als Teil einer Bewegung zur Veränderung der gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und ökonomischen Verhältnisse und kämpfte nicht nur gegen das Verbot der Abtreibung, gegen die spießerhafte bürgerliche Moral, die der Frau die Rolle und Aufgabe der Hausfrau, Mutter und Gespielin des Mannes zuordnet, sondern sie kämpfte gegen die Teile- und Herrsche-Politik der bürgerlichen Gesellschaft mit ihren spezifischen niedrigen Frauenlohngruppen in der Industrie, gegen die Beschränkung auf die angeblich den Frauen gemäßen, selbstverständlich gering bezahlten Berufe und gegen die spezifische Ausbeutung und Unterdrückung der Frauen in den ehemaligen kolonialen Gebieten des globalen Südens.. Diese Frauenbewegungen verstanden sich zu einem erheblichen Teil als eine Bewegung gegen Kapitalismus und Imperialismus.

Seit den 1990er Jahren sind antipatriarchale Kämpfe durch den Queerfeminismus geprägt. Er verbindet die Kämpfe aller durch heteronormative patriarchalische Vorstellungen unterdrückte Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen. Es wird dann also nicht mehr von der Emanzipation von Frauen, sondern von FLINA*-Personen12 gesprochen, die in unserer patriarchalen Gesellschaft auf besondere Weise diffamiert, diskriminiert, der Gewalt ausgesetzt sind und an einem freien Leben ihrer Identität gehindert werden.

Der Queerfeminismus betont dabei besonders die soziale Konstruiertheit binärer Geschlechteridentitäten. Diese Kämpfe werden dabei auch im Bereich der Sprache geführt, welche möglichst diskriminierungssensibel und genderinklusiv gestaltet werden soll.

Genderforschung und Gendergerechtigkeit – Die Unterscheidung von Sex und Gender

Mittlerweile hat die Frauenbewegung auch Einzug in die akademische Forschung gefunden. Diese findet ihren Widerhall in medialen Ereignissen von Journalistinnen, Filmemacherinnen, Schriftstellerinnen und damit Eingang in die öffentliche Meinung und die politische Debatte für gesellschaftliche und politische Reformen. Die akademische Genderforschung hat auch neue Begrifflichkeiten hervorgebracht. Sie verfolgt das Ziel, für alle gesellschaftlichen Bereiche, wie der Ökonomie, der Politik, den Medien, der Bildung, der Erziehung, der Sprache usw. Handlungsanweisungen zu entwickeln, mit deren Hilfe innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse Gendergerechtigkeit hergestellt werden kann.

Ein Grundaxiom der wissenschaftlichen Genderforschung ist, dass das biologische Geschlecht (sex) in der patriarchalischen Gesellschaft im Handeln und Denken der Menschen eine Zuordnung eines sozialen Geschlechts (gender) erfährt:

Weiblich und männlich ist in patriarchalischen Gesellschaften nicht nur eine biologische Divergenz,13 sondern der biologischen Divergenz werden soziale, ökonomische, politische, kulturelle und ideologische Divergenzen zugeordnet. Die patriarchale Ideologie benutzt die biologische Divergenz zwischen den Geschlechtern (sex) zur Erklärung und Rechtfertigung der realen sozialen, ökonomischen, politischen und ideologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern (gender).

Dies geschieht in der Weise, dass soziale, ökonomische, politische und ideologische Unterschiede mit unterschiedlichen Bezügen und unterschiedlichen Erklärungsmustern auf die biologische Divergenz zurückgeführt werden. Das Patriarchat – die Vorherrschaft des Mannes über die Frau in der Gesellschaft – erscheint so als eine „natürliche Ordnung“, bzw. einer scheinbar der Natur und Biologie entsprechenden gesellschaftlichen Ordnung.

Die Geschlechterdifferenz der Natur (sex) scheint somit die Ursache für die Geschlechterdifferenz in der Gesellschaft (gender) zu sein. So umgibt sich die Vorherrschaft des männlichen Geschlechts in der Gesellschaft mit dem Nimbus einer Übertragung der natürlichen biologischen Ordnung in die gesellschaftliche Ordnung.14

Die Genderforschung erklärt hingegen die Differenz der sozialen Geschlechter (gender) in der Gesellschaft als Resultat der Ideologie von Geschlechterdifferenz, bzw. als Resultat der Ideologie der Vorherrschaft des Mannes gegenüber der Frau. Sie erklärt die Unterschiede der Geschlechter in der Gesellschaft nicht aus der biologischen „Natur der Frau“, sondern als Resultat historisch entstandener Vorstellungen, Rollen und Verhaltensmuster. Was eine Frau beruflich werden darf und kann, wie sie sich als Person in der Gesellschaft engagieren darf und kann, welche persönlichen und gesellschaftlichen Rechte sie dabei beanspruchen darf und kann, hat nichts mit ihrem biologischen Geschlecht (Sex) zu tun, sondern wird ihr durch ein soziales Geschlecht (Gender), wie es sich in der jeweiligen Gesellschaft als herrschende Vorstellung herausgebildet hat, vorgegeben.

„’Geistige Leistungen bei Frauen wirken so peinlich‘. Deshalb verdrängt und vergisst man sie auch so schnell wie möglich. Ideen? Jede wirklich neue Idee ist ja eine Aggression. Und Aggression ist eine Eigenschaft, die im absoluten Widerspruch steht zum Bild des Weiblichen, das die Männer in sich tragen und das sie auf die Frauen projizieren.

Meret Oppenheim: Dankesrede von Meret Oppenheim anlässlich der Preisverleihung des Kunstpreises der Stadt Basel, 1975

Diese Erklärung scheint hinsichtlich der Reproduktion von sozialer Geschlechterdifferenz (etwa durch private und öffentliche Erziehung oder die mediale Manipulation) verständlich zu sein. Doch dieses Verständnis erklärt nur einen Aspekt. Es erklärt nicht, warum und wie es zu diesen patriarchalischen Vorstellungen, Ideen kommen konnte.

Erst ein Ansatz in der Genderforschung, der sich mit dem Verhältnis der sozialen Geschlechterdifferenz (gender) zu ihren Ausdruck in der gesellschaftlichen Ideologie einerseits und deren Wurzeln in den ökonomischen Tätigkeiten und der ökonomischen und sozialen Lebenslage von Frauen andererseits befasst, kann die patriarchale Unterdrückung der Frauen nicht nur als Ausdruck der patriarchalen Ideologie ansehen, sondern kann darüber hinaus auch erklären, warum und wie die patriarchale Ideologie entstanden ist und warum sie sich so dauerhaft reproduziert.

Die Emanzipation der Frauen ist mehr als ein Kampf um gleiche Rechte

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Kampf für die Emanzipation der Frauen allein ein Kampf für gleiche Rechte sei, so wichtig dieser Kampf auch ist. Das bürgerliche Zeitalter hat, obgleich es die Gleichberechtigung der Frauen proklamiert, an den vielfältigen Privilegien der Männer, der Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen Nichts Grundsätzliches ändern können.

Was zudem von einer formalen rechtlichen Gleichberechtigung der Geschlechter, also von der formalen rechtlichen Gleichberechtigung der Frau in der patriarchalisch-bürgerlichen Gesellschaft zu halten ist, das zeigt ein kleiner Ausflug in das Gebiet des bürgerlichen Rechts, der Gesetze, Konventionen usw.

Seit 1949 hat das Grundgesetz der BRD in Artikel 3 festgeschrieben: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Schon hier wird lediglich eine Gleichberechtigung der Geschlechter proklamiert, von der zugleich gesagt wird, dass diese in der Realität gar nicht vollständig existiert.

Der Staat nimmt seine proklamierte Aufgabe, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern, auch in zweierlei Hinsicht überhaupt nicht wahr. Zum einen verzichtet er darauf, die faktische Nichtgleichberechtigung der Frauen, ihre Diffamierung, Verhöhnung, Diskriminierung, Femizide und die ständige Verletzung ihrer Rechte in den privaten Beziehungen und in den vielfältigsten gesellschaftlichen Bereichen (etwa schlechtere Bezahlung) als explizite Akte der Unterdrückung von Frauen unter Strafe zu stellen. Zum anderen bagatellisiert er die patriarchalische Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft als „bestehende Nachteile“.

Die von 187 Staaten völkerrechtlich ratifizierte UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau bleibt in der Realität ohne Folgen. Nicht nur das Staaten diese ratifiziert haben, die ganz offen die formale rechtliche Gleichberechtigung der Frauen missachten, kann auch in den anderen Unterzeichnerstaaten von einer faktischen Beseitigung der vielfältigen Diskriminierungen der Frauen keine Rede sein.

Die 1. Gender-Richtlinie der EU (2002) fordert die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Berufswelt, wovon die Frauen in Deutschland nur träumen können, solange sogenannte „Frauenberufe“ viel niedriger entlohnt werden als sogenannte „Männerberufe“ und solange Frauen viel geringere Aufstiegschancen im Beruf haben als Männer.

Selbst die 2. Gender-Richtlinie der EU (2012), die die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen forderte, brachte es zwar zu den sogenannten Unisex-Tarifen bei Krankenkassen und Versicherungen. Aber allein ein Blick auf die im Vergleich zu den Männern extrem niedrigeren Löhne und Renten zeigt, dass auch dies nur ein Versprechen und keine Realität ist. Frauen, Mütter (ib. alleinerziehende Mütter) und Rentnerinnen haben einen deutlich geringeren Anteil an der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, ja ein großer Anteil von ihnen lebt unterhalb oder knapp oberhalb des Existenzminimus.

Nicht viel anders sieht es mit den EU-Gleichstellungsrichtlinien (2006) aus: Das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das auch als Antidiskriminierungsgesetz bekannt ist, soll die Menschen vor Benachteiligungen und Belästigungen aufgrund persönlicher Merkmale schützen. Doch wo ist der Schutz der Frauen vor sexueller Ausbeutung, vor sexistischer Werbung und Filmen, vor sexueller Anmache, vor Grabschern, usw? Wo ist der Schutz für FLINTA* vor Diskriminierung und Gewalt? Es gibt im Strafgesetzbuch kaum frauenspezifisch definierte Straftaten.

Das Bundesgleichstellungsgesetz (in den Ländern gelten ähnliche Gesetze) soll die Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn gleiche Chancen wie Männern geben. Die Realität sieht anders aus: Z.B. gibt es bei den typischen Frauenstudiengängen in den Sprach- und Kulturwissenschaften 70 – 80 Prozent Absolventinnen aber bei den Professoren dieser Studiengänge stellen die Frauen gerade mal 20 – 30 Prozent.

Der Amsterdamer Vertrag der EU von 1999 schreibt den Gender-Mainstream verbindlich vor: Er sieht vor, dass auf die Schranken und Hindernisse, die einer faktischen Gleichstellung im Wege stehen, mit rechtlichen Regelungen reagiert wird, um Chancengleichheit und Gleichstellung herzustellen. Ein Ergebnis war die sogenannte Frauenquote in der Besetzung der Aufsichtsratsposten von börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Dax-Konzernen in Deutschland. Das betrifft gerade einmal 170 Positionen, die nun mit einer Frauenquote belegt sind. Was ist mit den vielen Millionen anderer werktätiger Frauen?

Von Diskriminierung, Diffamierung und Gewalt sind besonders Frauen aus anderen Ethnien, Kulturen und Nationalitäten betroffen. Außerdem sind sie dem alltäglichen und strukturellen Rassismus ausgesetzt.15 Manche von ihnen können sich nur in ihrer Muttersprache verständigen, kennen ihre Rechte kaum, werden schon wegen ihrer Kleidung oder ihrer Hautfarbe missachtet. Die Mehrzahl der Hunderttausende zählenden Prostituierten wird mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und hier zur Prostitution gezwungen.

Fest steht, dass wichtige Veränderungen nur durch langwierige Kämpfe der Frauen erreicht wurden, wie das Frauenwahlrecht, das Recht auf gleiche Bildung und auf Studium, doch selbst das langwierig erkämpfte Abtreibungsrecht in Deutschland war nur ein halber Erfolg. Erfolge, wie der Kampf gegen die Abschaffung der sogenannten „Leitlohngruppen“ für Frauen, wurde durch die sogenannten 450 Euro-Jobs wieder zunichte gemacht, da damit hauptsächlich wieder Frauen und Mütter mit Arbeitstätigkeiten mit niedriger Entlohnung abgespeist werden.

Wenn 1921 auf der Zweiten internationalen kommunistischen Frauenkonferenz der 8. März zum Internationalen Frauentag erklärt wurde, dann bedeutet dies auch nach 100 Jahren, dass die Frauenemanzipation noch lange nicht ihr Ziel erreicht hat.

8. März 2021 Dr. Peter Milde

Endnoten:

1 „In der patriarchalischen Kultur, die als Grundwerte einerseits die Überlegenheit des männlichen Individuums, andererseits die Unterlegenheit des weiblichen Individuums sieht, ist es klar, dass man das Prestige des Mannes keinesfalls in Frage stellen darf, da dies unweigerlich zur Zersplitterung seiner Macht führen würde.“ (Elena Gianini Belotti: Was geschieht mit kleinen Mädchen?, Mailand 1973, dt. München 1977, S. 6ff). Um diese patriarchalische Kultur zu benennen und zu bekämpfen, bedarf es nach Belotti daher nicht nur eines „beachtlichen Bewusstseinsprozesses“, sondern auch eines „Muts zur Auflehnung“ angesichts der Feindseligkeit, die die Auflehnung hervorruft.

2 Die Jagd, insofern sie überhaupt zu einer Nahrungsquelle wurde, war vorwiegend eine Angelegenheit der Männer. Sie war jedoch als Quelle von Nahrung untergeordnet, weil ihr Erfolg nicht sicher und nicht ausreichend für das Überleben war. Da die Jagd die Männer von den Siedlungen teilweise sehr weit entfernte und die Frauen/Mütter an den näheren Umkreis der Siedlungen gebunden waren, versorgten vorwiegend die Frauen/Mütter die Sippe (und auch die Männer) mit der täglichen Nahrung.

3 Johann Jakob Bachofen: Das Mutterrecht. Eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur, Krais & Hoffmann, Stuttgart 1861 und Lewis H. Morgan: Die Urgesellschaft (Ancient Society). Untersuchungen über den Fortschritt der Menschheit aus der Wildheit durch die Barbarei zur Zivilisation, englisch 1977. Die erste deutsche Übersetzung (1891) fertigten die Sozialdemokraten Wilhelm Eichhoff und Karl Kautsky an.

4 Das Matriarchat war nicht das umgekehrte Patriarchat. Frauen waren als Gebärende und als die Haupternährerin die sozial wichtigsten Personen in den Sippen, gens. Entsprechend hoch war ihr Ansehen. Da die Kulturen unsere heutige Form der Einzelehe nicht kannten, war die einzig sichere Abstammung der Kinder die von der Mutter, daher standen die Frauen im Zentrum der sozialen Gemeinschaft. Das Matriarchat kannte jedoch keine soziale oder ökonomische Vorherrschaft der Frauen über die Männer, da es auf gemeinschaftlichem Besitz basierte.

5 Auch im Matriarchat entstanden bedingt durch die Arbeitsteilung Städte auf der Basis eines vorwiegend gemeinschaftlichen Besitzes. Diese städtischen Siedlungen zeichneten sich durch eine gewaltlose Entwicklung aus, was sich am Fehlen von äußeren Befestigungsanlagen zeigt. Diese Städte wurden meist von patriarchalen kriegerischen Stämmen erobert oder zerstört. Trotzdem wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass matriarchale Gesellschaften völlig gewaltfrei waren. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Gewalt in matriarchalen Gesellschaften keinen Klassencharakter hatte und Raub von Reichtum und Menschen weitgehend unbekannt war.

6 Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates. In Anschluss an Lewis H. Morgans Forschungen, 1864 (vierte, ergänzte Auflage von 1892 in MEW Band 21).

7 Auf Grund des gemeinschaftlichen Besitzes dieser Gesellschaften leitet sich der Begriff „Urkommunismus“ ab.

8 Mystische Erklärung der Vorgänge in der Natur, der Geburt und der Produktion von Lebensmitteln waren keineswegs Religionen in unserem heutigen Verständnis. Es war vor allem sinnliche Erfahrung, eins zu sein mit der Natur und ein Verständnis vom Leben, das zwischen Natur und Mensch nicht qualitativ differenzierte. Gottesvorstellungen wurden mit der Natur und der sinnlichen Wahrnehmung, etwa in Trance oder der Sexualität verbunden. Religionen als moralischer, sozialer und rechtlicher Kodex und Instanz entstand erst in Verbindung mit der Entwicklung des Patriarchats, herrschender Eliten und der ersten staatlichen Gemeinschaften.

9 Das Urchristentum war, bevor es sich in eine hierarchische Religion und staatliche Ideologie verwandelte, auch eine Rebellion gegen Reichtum, Privateigentum und Macht und die ersten christlichen Gemeinden basierten auf dem gemeinschaftlichen Besitz und der Gleichheit ihrer Mitglieder. (Friedrich Engels: Zur Geschichte des Urchristentums, 1894, MEW Band 22).

10 Wissenschaft und Technik entwickelten sich gegen den Widerstand der christlichen Dogmen in ungeheurem Ausmaß, jedoch wurden sie schnell abhängig von den Aufträgen und dem Geld des industriellen Bürgertums, womit sie sich der Rationalität des Profits unterordneten.

11 Die Genderforschung spricht hier vom „Gleichheitsverbot“ in der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Nicht nur überkommene Vorstellungen legitimieren männliche Privilegien und alltägliche Diskriminierungen der Frauen durch die Männer, egal welcher Klasse oder welcher Schicht sie angehören. Vielmehr werden, um die soziale Geschlechterdifferenz aufrecht zu erhalten, weitere Ungleichheiten konstruiert und in Geschlechterbilder- und –rollen eingeschrieben, welche in der Erziehung an die nachwachsende Generation weitergegeben werden.

12 FLINTA*- ist eine Abkürzung für vom Patriarchat unterdrückte und diskriminierte Geschlechtsidentitäten von Frauen. Hierbei stehen für F: Frauen (evtl. heterosexuelle Frauen), L: Lesben (homosexuelle Frauen), I: Intersexuelle Personen, N: Nicht-binäre Personen, T: Transpersonen, A: Agender (Personen, die sich keinem Geschlecht zuordnen) und * Personen, die sich nicht in eine der genannten Geschlechtsidentitäten einordnen.

13 Wobei die Genderforschung ja längst auch schon aufzeigte, dass die Definition des biologischen Geschlechts keine rein biologische Angelegenheit ist, sondern die Definition, was biologisch weiblich und was biologisch männlich ist, nie eine rein biologische Angelegenheit war und ist.

14 Dieses Argumentationsmuster ist allen patriarchalen Gesellschaften eigen, egal auf welcher sozialökonomischen Basis diese beruht oder in welcher politischen und ideologischen Ausformung dieses Argumentationsmuster auftritt. Ja, selbst unter fortschrittlich eingestellten Menschen findet sich häufig ein Rest dieser biologistischen Rechtfertigung unter Verweis darauf, dass ja weiblich und männlich schließlich keine Erfindung seien, und somit die, wie auch immer gearteten sozialen Geschlechterdifferenzen in der Gesellschaft daher ja doch irgendwie ihre Berechtigung hätten.

15 Besonders perfide ist es, dass Rassisten Moslems generell als frauenfeindlich und homophob beschimpfen, um sich dann als Beschützer der Frauen hinzustellen. Dies ist die Kehrseite eines Rassismus, der die aufgeklärte „weiße“ europäische und besonders die deutsche Leitkultur als Vorbild auch in Sachen Gleichberechtigung ausgibt. Diese rassistisch-nationalistische Instrumentalisierung berechtigter feministischer Forderungen und Kämpfe etwa gegen die sexistische Gewalt der Männer, wird in der feministischen Theorie als „Femonationalismus“ bezeichnet.

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